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24.01.2014

Lesezeit: etwa 6 Minuten

Lars Petersens Zwischenruf: “Unser” Bundespräsident

 

 

 

joachimgauck

Liebe Kameradinnen und Kameraden,

der ehemalige Pfarrer und heutige Bundespräsident Gauck hat sich einmal mehr sehr weit aus dem Fenster gelehnt als er am 16.1.2014 beim ordo-liberalen Walter Eucken-Institut in Freiburg die radikalkapitalistische Marktordnung als das Maß aller Dinge verteidigte.

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2014/01/140116-Walter-Eucken_Institut.html

Der Text ist etwas sperrig; der Redenschreiber des Präsidenten mag möglicherweise mit der Thematik überfordert gewesen sein; im Kern geht es aber um die Verteidigung einer “Wirtschaftsordnung” (streng genommen ist der ordo-Liberalismus eine Ideologie und keine Blaupause für eine funktionierende Wirtschaftsordnung; siehe Finanzmarktkrise; Fiat-Geld ect. pp).

Hier hat unser Bundespräsident die Aufmerksamkeit sowohl der katholischen Kirche als auch des linken Internetaktivisten Augstein (er soll ein böser Antisemit sein, so konnte man kürzlich lesen) auf sich gezogen.

Worum geht es hier?

Mit erheblicher Verspätung haben die politischen Kommentatoren des Vatikan das Thema Kapitalismuskrise für sich entdeckt (“Kapitalismus tötet”)

http://www.domradio.de/themen/soziales/2014-01-17/sozialethiker-hengsbach-zu-gaucks-rede-zur-wirtschaft

und entsprechend kommentiert.

Interessant ist die Rolle des Herrn Augstein und seines BILD-Kollegen Blome:

http://www.phoenix.de/content/425300.

Nun ist der relativ kurze Debattenbeitrag eher ein Unterhaltungsformat (Augstein und Blome wirken auf mich wie ein altes Ehepaar und weniger wie zwei gut geschulte Dialektiker, welche sich politisch-diskursiv mit einem  Problem befassen) – diese Entwicklung nennt man wohl neudeutsch “Infotainment” – eine bizarre Mischung aus Unterhaltung, Gespräch und Debatte – das Thema wurde von Augstein und Blohme nur kurz angerissen; nach wenigen Minuten ging es – lustig – um Zinnsoldaten und Frau v.d. Leyen.

Zwei politische Pole: der Vatikan, seine Multiplikatoren UND der linke Publizist Augstein sind sich hinsichtlich der Bewertung einer gesellschaftspolitisch relevanten Frage grundsätzlich einig.

Der Herr Bundespräsident ist nicht irgendwer – aus rechtlichen Gründen fällt die Kritik an “seiner” Agenda eher moderat aus  – im vorliegenden Fall geht es um eine klare und eindeutige Positionierung des Präsidenten der sich zu einer “Wirtschaftsordnung” bekennt, welche beispielsweise die Spekulation mit Grundnahrungsmittel ermöglicht – eine staats – und ordnungspolitische Herausforderung, wenn man die verheerenden Folgen der plutokratisch -ordoliberalen Doktrin vollständig versteht.

Der ehemalige Pfarrer und jetzige Bundespräsident hat ein unglaublich gut entwickeltes Gespür für den “richtigen” Diskurs – das war schon immer so -, auch in der ehemaligen DDR hatte Herr Gauck immer den richtigen Ton getroffen – daran hat sich nichts geändert. Herr Gauck bleibt sich treu – damals wie heute – mit dem Untrschied, daß heute eben keine realsozialistischen Apparatschiks umworben werden, sondern finanzstarke Meinungsmacher im publizitisch-ordoliberalen Komplex.

Gauck geht eigentlich immer und überall. Würden morgen die grünen Männchen vom Mars die Weltherrschaft übernehmen, dann wäre ein Herr Gauck sofort mit einer passenden Rede zur Stelle. ” Ich habe bereits im Jahr 2014 auf die herausragende Bedeutung der Alienherrschaft hingewiesen – nur damals wollte man mir nicht zuhören….”

Der halbgebildete BILD-Blome war mit dem o.g. Thema sichtlich überfordert, Augstein junior mal wieder in seinem Element – ABER eben zu oberflächlich, viel zu zögerlich – er mag wohl inzwischen ahnen, daß eine wie auch immer geartete Kapitalismuskritik den Antisemitismusvorwurf nach sich zieht – alles eine Frage der Hermeneutik. Wer definiert welche Begriffe und kann diese massenwirksam -diskursiv durchsetzen.

Die Mediendemokatie funktioniert im Rahmen einer Aufmerksamkeitsökonomie – man könnte das Thema selbstverständlich einem Fachmann wie Peter Sloterdijk überlassen, hätte man ihn nicht durch den Einfallspinsel und BRD-Starphilosophen Precht ersetzt.

Wer auch immer in der Lage war den angelsächsischen Radikalkapitalismus zu kritisieren, ist heute entweder ein Pausenclown (Augstein als stark vereinfachte Ausgabe seines Vaters) oder eben ein BILD -Blome – stellvertretend für alle kleinbürgerlichen Denkverweigerer und Mitläufer ohne Chance die o.g. Entwicklung zu hinterfragen (Schweigespirale; Deutungshoheit fremder Mächte; Anpassungsdruck )

Der Debattenbeitrag des Herrn Bundespräsidenten ruft die katholische Kirche (“Kapitalismus tötet”) auf den Plan und sollte uns in den kommenden Tagen und Wochen beschäftigen. Das System steckt seit vielen Jahren in einer schweren Krise und das ordoliberale Betriebssystem hat viele elitäre Fürsprecher in den sog. “thinktanks” transatlantischer Organisationen und diskreter Hinterzimmergruppierungen – “Widerstand ist zwecklos “, mag man denken, wenn man die gleichgeschaltete BRD-Presse sieht – aber dennoch: Es gibt Zeichen für einen fundamentalen Wandel, auch hier in Europa; die Russische Förderation bremst nicht nur die NATO aus, sondern auch ihre willigen Helfershelfer in Saudi-Arabien und anderen Staaten welche die plutokratische Doktrin à la New York verinnerlicht haben.

Bundepräsident Gauck versteht möglicherweise die Tragweite seiner Rede nicht wirklich – die Ablehnung einer völlig dysfunktionalen Planwirtschaft bedeutet natürlich nicht automatisch, daß der Systemwettbewerber NATO die richtigen Rezepte für das 21. Jahrhundert hätte – NEIN – es gibt einen dritten, wirtschaftspolitischen Weg, einen gesellschaftspolitischen Entwurf der eben nicht auf die gescheiterten Entwürfe des 20.Jahrhunderts zurückgreift.

Gauck steuert seit seiner Jugend instinktsicher die Agenturen der Mächtigen an – redet ihnen nach dem Munde und arrangiert sich mit dem IST-Zustand. Er ist weder kritisch noch besonders originell – er ist eben ein Pfarrer, der sich nicht mit den Fürsten anlegen will – ein gescheiterter Mensch, der seine Lebenszeit mit der Dekoration seiner kleinen Spießerwelt verbracht hat.

Und was machen die Restkonservativen? Sie dackeln völlig orientierungslos durch den Dialektikwald und begreifen nicht, wer hier welches Schauspiel aufführt: der bräsige Blome, der überforderte Augstein, der sich arg zurückhält weil er die Antisemitismuskeule fürchtet (den ersten Warnschuss hat er ja erst kürzlich vor den Bug gesetzt bekommen) und die vielen Kaufmünder in Funk + Fernsehen die sich nicht wirklich mit dem Thema beschäftigen wollen.

Selbstverständlich gibt es konservative Kräfte, welche den oben beschriebenen Diskurs verstehen – aber sie werden sich zurückhalten – man wagt sich nicht an den Präsidenten heran – schon gar nicht, wenn er im Fahrwasser der Proatlantiker unterwegs ist.

Der politische Paradigmenwechsel kommt so sicher wie das Amen in der Kirche – die USA haben sich geopolitisch im Nahen Osten gründlich verrechnet und stecken bis zur Halskrause in unlösbaren Konflikten fest, während die neue Seemacht China im Pazifik ihr Revier absteckt.

Das Beknntnis eines Herrn Gauck wirkt vor dem Hintergrund der geopolitischen Entwicklung lächerlich und schrecklich uninformiert – auch westliche Staaten wie Frankreich haben ein Problem mit dem Ordoliberalismus und Länder wie Russland und China werden niemals die plutokratische Agenda übernehmen. Kein “Ende der Geschichte” ist in Sicht (Francis Fukuyama) - nein – die Zukunft ist eine multipolare Welt mit vielen Wirtschaftssystemen – kein “one world-Staat” mit Neu York als Hauptstadt. Gauck und seine Jünger werden es hinterher immer gewusst haben.

Liebe Kameradinnen und Kameraden, ich freue mich auf eine spannende Debatte und sende Euch herzliche Grüße.

Der Lars

 

Bild: Freud / de.wikipedia.org, CC-Lizenz,


 
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Quelle: www.ds-aktuell.de

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