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29.08.2010

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Das Jahr 2010 und die real existierende Hannoveraner Armut

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Betteln am Hannoveraner Hauptbahnhof
 
100 Euro für die Klassenfahrt und 205 Euro Diätenerhöhung
 
Hannover ist arm dran. So steht es im Bericht des Landesbetriebes für Statistik. Es sollen um die 104.000 Hannoveraner als arm gelten. Für die Wähler der Stadt Hannover sollte bedenklich sein, dass wir den letzten Platz belegt haben. Dagegen stehen zum Beispiel die 205 Euro Diätenerhöhung der Mitverursacher des Problems. Die schlagzeilenträchtige niedersächsische Sozialministerin dagegen setzt dem noch eins drauf. Sie schwadroniert, dass es doch „Anlass zur Hoffnung“ gäbe. Wie weit sind die Politiker denn entfernt vom „Tatort“ Volk? Sehr weit. Deutschlandweit lebt jeder siebte Bürger in Armut. Bei den Kindern sind in Hannover 22.500 von Armut betroffen, deutschlandweit gelten 2,4 Millionen als armutsgefährdet. Diese Flickschusterei im Sozialsystem wurde von der letzten und von der jetzigen Regierung rigoros fortgesetzt. Die Steuergeschenke für die Großbetriebe, die Senkung des Spitzensteuersatzes und die Diätenerhöhungen am laufenden Band sind einige Zeichen der Ungerechtigkeit. Da kann auch ein Trostpflaster an der einen oder anderen Stelle nichts ausrichten. Nehmen wir zum Beispiel den Fond “Familien in Not“. Es wurde berichtet, dass in Laatzen 47 von 51 Förderanträgen (100 € für die Klassenfahrt) bewilligt worden sind. Hinter den Kulissen sieht es doch ganz anders aus. Bei weitem nicht alle Eltern gehen diesen Schritt der Demütigung, sich vom Staat Geld zu borgen, um das Kind mitfahren zu lassen. Denkt auch mal jemand an die Kinder?
Leere Spielplätze!
Die sich, gnädigerweise, im Klassenverband dem Ausflug anschließen können, aber dann kein Taschengeld für kleine Ausgaben haben. Diese müssen schon früh lernen, Wünsche zu verbergen, ja sie müssen sogar lernen, mit der Angst umzugehen, ausgegrenzt zu werden. Traurig, aber wahr im Jahr 2010 in Deutschland. Im Jahr 2000 gehörten 17 Prozent zur Unterschicht, sie haben weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens, im Jahr 2009 waren es schon 22 Prozent. Diese Zahlen sprechen Bände. Warum investiert die Politik nicht in Familien? Warum sind in der Armutsstatistik die Familien die Ärmsten? Alleinerziehende stehen ebenfalls ganz oben im Armutsranking. Dagegen werden alle ins „Paradies“ Deutschland gelassen, die sich in der sozialen Hängematte ausruhen möchten. Und wie Herr Sarrazin bemerkte, leider die Unproduktiven mehr als die Produktiven. Die Rentner sind mit 768.000 Grundsicherungsempfängern auch nicht gut auf die Regierung zu sprechen. Und es werden mehr, insbesondere in naher Zukunft, da die Renten nicht steigen.
Deutscher Hannoveraner Rentner sucht im Müll - Hannover im Jahr 2010
Die mediale Flutung des Volkes wird mit der Mär vom 1 Euro-Job beflügelt oder mit dem Massenphänomen Leiharbeit. Waren es 1993 gerade mal 121.000 Leiharbeiter, so waren es im Jahr 2004 bereits 400.000 – eine grandiose Steigerung um 231 Prozent. Sind doch Leiharbeiter moderne Sklaven der ausufernden Globalisierung. Nicht mehr und nicht weniger. Die hochbezahlten Politiker müssen doch vom sich verändernden Wirtschaftsmarkt etwas mitbekommen haben. Bemerken sie denn nicht, dass immer mehr arbeiten gehen und trotzdem arm sind? Das ist für den Bürger noch ungerechter, als wäre er arbeitslos. Die blühenden Wirtschaftsversprechen sind Stiche ins Herz und die Seele. Diese werden wie bereits erwähnt mit dem einen und anderen Pflaster gekittet. Die Aufschwungpropaganda kann doch keiner mehr hören. Der Export von Betrieben und technischem Wissen, hochqualifizierten Arbeitskräften und von Kapital ist deutlich an der Erosion der system­tragenden Mittelschicht erkennbar. Warum wird zum Beispiel kein Auswanderer zurückgeholt? Warum werden nun wieder ausländische Fachleute gesucht? Dabei ist doch bekannt, dass dabei anderen Ländern die Fachkräfte geraubt werden. Denen geht’s doch aber noch schlechter. Die viel gelobte Globalisierung lässt grüßen.
Ein Schlafplatz unter der Brücke - Zukunft oder schon Realität ?
Das Ergebnis haben wir nun mit dem neuen vorliegenden Armutsbericht in der Hand. In der Hand hat es auch der Hannoveraner, der sich bei der nächsten Wahl genau überlegen kann, ob ihm diese „Postnationale Ich-Gesellschaft“ gefällt oder er in eine „Neonationale Wir-Gemeinschaft“ wechseln möchte. Denn so kann und darf es nicht weitergehen.
Und wenn der Hunger quält ab zur Tafel oder ?
Ohne Worte!
 
Hans Lehmann
 

 

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